Grenzüberschreitendes Skilanglaufgebiet Gibacht - Cerchov

Das Ski-Langlaufgebiet Gibacht-Čerchov liegt zwischen den  Städten Waldmünchen und Furth im Wald auf deutscher Seite sowie Klenčí pod Čerchovem und Domažlice auf tschechischer Seite der Grenze. Es umfasst auf einer Höhenlage von 800 m bis 1000 m Teile des Bayerischen Waldes und des Böhmischen Waldes und gehört damit zum größten zusammenhängenden Waldgebiet Europas, das auch das „Grüne Dach von Europa“ genannt wird. Die markantesten Berge sind auf deutscher Seite der 938 m hohe Gibacht und auf tschechischer Seite der 1042 m hohe Čerchov.

Die ersten Anfänge des Skisports in der hiesigen Region gehen zurück in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. In den Jahren 1976-1977 erfolgte dann in einer Gemeinschaftsaktion der Städte Furth im Wald und Waldmünchen sowie des Natur-parks Oberer Bayerischer Wald die Anlegung einer Langlauf-trasse rund um den Gibacht. Es wurde darauf geachtet, dass Anstiege, Abfahrten und flache Teilstücke gut verteilt waren,  so dass ein abwechslungsreiches Streckenprofil entstand.

Mit der Eröffnung des Grenzübergangs Brombeerriegel in das Čerchov-Gebiet am 1. Dezember 1998 gemeinsam mit Klenčí und Domažlice ist dieses Loipengebiet mit Streckenlängen bis zu 24 km noch weitläufiger und anspruchsvoller geworden. Moderne Spurgeräte sorgen für einen optimalen Pflegestandard. Die gemeinsame Herausgabe eines Wintersport-Werbeprospektes in deutscher und tschechischer Sprache dokumentiert die gute Zusammenarbeit in dieser transeuropäischen Region.

Arbeitsgemeinschaft Loipen
Waldmünchen - Klenčí - Furth im Wald - Domažlice
1998 - 2008

Wo es in der Loipe „Dobry Den“und „Pozor“ heißt

Das Skilanglaufgebiet Gibacht/Cerchov bietet grandiosen Winterspaß ohne Grenzen

Längst der Kategorie „Geheimtipp“ entschwunden ist das grenzüberschreitende Skilanglaufgebiet Gibacht/Cerchov, denn immer mehr Fans der schmalen Bretter haben in den letzten Jahren dieses einmalige Winterparadies entdeckt. Dieses Langlaufzentrum liegt beiderseits der bayerisch-tschechischen Grenze
zwischen den Städten Domazlice und Klenci sowie Waldmünchen und Furth im Wald. Es umfasst auf einer Höhenlage von 600 bis 1000 Metern Teile des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes. Für dieses grenzenlose Skilanglaufvergnügen steht ein bestens präpariertes Loipennetz mit einer Gesamtlänge von rund 60 Kilometern zur Verfügung, das darauf wartet,  erkundet zu werden.


Der deutsche Skilangläufer darf nicht überrascht sein, dass er bei der Begegnung mit anderen Loipen-Freaks schon mal Namen hört, die ihm vielleicht noch fremd sind: „Dobry Den“ oder vielleicht auch mal „Pozor“, wenn auf einer langgezogenen rasanten Abfahrt eine Kollision droht. Das sind dann unsere tschechischen Freunde, bei denen der Skilanglauf einen noch höheren Stellenwert einnimmt als bei uns. „Dobry Den“ heißt auf deutsch „Guten Tag“ und „Pozor“ Achtung. Vielleicht einmal mit einem „Dekuji“ (Danke) zu antworten, wäre sicherlich nicht verkehrt.


Es sind in der Zwischenzeit schon viele Freundschaften in der Loipe oder in den beliebten Rastpunkten „Gibacht“, „Bendahütte“ oder „Bistro am Čerchov“ entstanden. Um zum letztgenannten Punkt auf 1042 Meter zu kommen, muss der Skilangläufer allerdings die Loipe in der Nähe des Malinova Hora (Himbeeren-Berg) verlassen und einen Abstecher von rund 800 Metern Länge in Kauf nehmen. Doch für die Mühen des Anstiegs entschädigt dort eine gigantische Winterlandschaft und ein herrliches Panorama, das bei günstiger Wetterlage sogar einen Blick bis in das Dachsteingebirge gewährt. Vorsicht ist allerdings geboten bei dem Teilstück, das wieder zur Loipe zurückführt. Ungeübte Langläufer sollten hier am besten kurz die Brettln abschnallen.


Die Loipen sind in verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Die Loipenlängen können anhand von Übersichtsplänen, die sich an den Einstiegsstellen befinden, individuell zusammengestellt werden, je nach
Können und Ausdauer. Besonders reizvoll ist die 13,5 Kilometer lange Spur um das Cerchov-Massiv, die am schnellsten vom Gibacht aus zu erreichen ist. Doch dazu muss erst das rund 5,5 Kilometer lange Teilstück über den Brombeerriegel bis zur Sattelhütte bewältigt werden, das als Aufwärmung für den Rundkurs betrachtet
werden kann.

Für Anfänger geeignet sind die Rundloipe in Althütte sowie die Tiefer Graben-Loipe (Einstieg ebenfalls von Althütte aus) sowie die Loipe am Voithenberg. Über die Tiefer Graben-Loipe und den Grenzübergang Lehmgrubenweg kann ebenfalls die Cerchov-Loipe erreicht werden. Dazu gibt es am Gibacht einen schönen Kurs über fünf Kilometer und eine Drei-Kilometer-Skating-Strecke. Nicht unerwähnt lassen darf man die vier
Kilometer lange Loipe zwischen Herzogau und Althütte, die abwechselnd anspruchsvolle Aufstiege und Abfahrten bietet.


Das Gebiet um Gibacht und Cerchov hat insbesondere im Winter seinen Reiz, wenn tief verschneite Bäume und Felsen, Raureif an Hütten und Ästen, blauer Himmel und Sonnenschein, klirrende Kälte und dampfender Atem einen Ausflug auf den Langlaufskiern zu weitaus mehr machen als „nur“ zu einer sportlichen Betätigung - nämlich auch zu einer Erholung für Seele und Geist.


Obwohl von Jahr zur Jahr immer mehr Langläufer dieses Gebiet kennen und lieben lernten, ging das Gefühl der Einsamkeit in den weiten Wäldern nicht verloren und es kann durchaus sein, dass dem Langläufer auch mal ein
Auerhahn begegnet, der am Čerchov erfolgreich wieder eingebürgert wird. Wer jedoch Kontakt sucht, und das ist bei Skilangläufern durchaus so üblich, der findet ihn - auch sehr zum Wohl der deutsch-tschechischen Verständigung. Ein Schluck aus dem mitgeführten Flachmann hat oft schon mehr bewegt als viele Worte.


Übrigens findet jedes Jahr  ein  grenzüberschreitender Volksskiwandertag statt,  an dem sich jährlich weit über 300 tschechische und bayerische Skilangläufer beteiligen. In diesem Jahr musste die Veranstaltung leider ausfallen. Die Skilangläufer hoffen, dass dann der 10. grenzüberschreitende Volksskiwandertag durchgeführt werden kann. 

Karl Reitmeier