Ein großes Dankeschön an den ehemaligen Leiter der Städtischen Wälder Domažlice, Forstdirektor Jan Benda, der mich durch die Gebäude am Čerchov geführt hat. Verwehrt blieb uns allerdings der Militärturm.
Der Militärturm, der durch seine Größe den Kurz-Turm in den Schatten stellt, befindet sich im Eigentum des tschechischen Verteidigungsministeriums.
Das Gebäude, in dem sich ein das Bistro befand und in dem die Amateurfunker einst ihre Herberge hatten, war früher Eigentum der Gemeinde Klenčí pod Čerchovem und wurde später von einem privaten Investor erworben.
Alle übrigen Gebäude befanden sich im Besitz der Stadt Domažlice, wobei der steinerne Aussichtsturm (Kurz-Turm) sich im Eigentum des Touristikclubs Domažlice befindet. Inzwischen wurden viele Militärgebäude abgerissen, was durch enorme Zuschüsse der Europäischen Union möglich war. Nur ein Gebäude blieb übrig, das von der Stadt Domažlice zu einer tollen Berghütte umgebaut wurde, die am 4. Oktober 2025 offiziell eröffnet wurde.
Der Zahn der Zeit hatte sehr an den Gebäuden genagt. Die Gebäude boten einen unschönen Anblick, denn viele Fensterscheiben waren kaputt, die Eternit-Verkleidung und auch die Mauern waren abgebröckelt. Die Blechdächer waren gerostet und die Nässe, die in die Räume eindrang sorgten für den Verfall. Der Abriss kam noch zur rechten Zeit.
Das Militär ist im Jahre 1993 vom Cerchov abgezogen. In einem Raum eines Gebäudes befand sich bis zum Abriss noch eine große Landkarte. Die B 52-Bomber sollen während des Kalten Kriegs provokativ immer bis kurz vor die Grenze geflogen sein. Sie wurden dabei erfasst vom tschechischen Radarsystem "Tamara", das als das beste Radarsystem der Welt galt. Auf Karten im Maßstab von 1:200000 und 1:100000 waren zum Teil noch die Flugrouten eingezeichnet. Die B 52-Bomber konnten schon ab ihrem Start in Großbritannien verfolgt werden.
Kontrovers diskutiert wurde einmal im Stadtrat von Domažlice die mögliche Beseitigung des Grenzzauns rund um das Čerchov-Areal, das zu Zeiten des Kalten Krieges ein unüberwindbares Hindernis darstellte. Schließlich wurde im Stadtrat mehrheitlich beschlossen, dass der Zaun vorerst blieb. Zum einen sollte er an die Zeit des Kalten Krieges erinnern, zum anderen könne durch den Zaun vermieden werden, dass die Besucher von allen möglichen Seiten auf das Gelände kommen. Es konnten die Wanderer durch das eiserne Eingangstor entsprechend lokalisiert werden. Der Zaun stellte damals auch einen gewissen Schutz dar, auch wenn er an manchen Stellen bereits löchrig war. Schließlich wurde der Zaun bis auf ein Teilstück doch noch entfernt. Ein Teilstück des Zauns hat sich der Trenck- und Museumsvereins von Waldmünchen gesichert.
Die Bilder zeigen das einstige Innere der Gebäude am Čerchov.
Ideen gab es viele im Laufe der Jahre, wie künftig das Areal des Čerchov aussehen könnte. Doch getan hat sich bislang fast nichts. Lediglich das Kohlendepot war als Erstes verschwunden und mit diesem Material, das gebrochen wurde, konnten Wege im Bereich der Städtischen Wälder Domažlice zwischen Smrči/Fichtenfels und Na Zlomu/Sattelhütte ausgebessert werden, wovon auch die grenzüberschreitende Loipe profitiert hat. Der Touristikclub Domažlice hat den Aussichtsturm renoviert und einen Anbau an den so genannten Kurzturm geschaffen, in dem sich Wanderer aufhalten können.
Die damaligen Pläne zur Erinnerung: Beim 2. Regionalforum des Aktionsbündnis Čerchov wurde angedeutet, dass ein Konzept erarbeitet wurde, wie das Areal neu gestaltet werden könnte. Dazu sei es jedoch notwendig, auch die bestehende Infrastruktur zu verbessern. Es wurde darauf hingewiesen, dass an den Wochenenden im Zeitraum zwischen Anfang Juni und Ende September immer ein Bus zum Čerchov gefahren ist, was beibehalten werden soll. Bezüglich der Nutzung des Militärturms wurde die Idee vorgebracht, dort unter anderem eine Ausstellung zu etablieren zu den Themen „Kalter Krieg“ und „Luftwaffe“. Auf jeden Fall war man sich einig, dass man sich nach einer Umgestaltung des Areals mit einer besseren Bewerbung des Čerchov-Gebietes befassen müsse.
Bürgermeister Miroslav Mach nannte den Čerchov damals „ein Symbol der Region“. Nach seinem letzten Kenntnisstand sei die Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes jedoch von den neuen Ideen für den Čerchov nicht begeistert. Diese wolle keine neuen Gebäude am Čerchov haben. Die Stadt Domažlice sei bemüht, die alten Gebäude von der Staatlichen Verwaltung zu bekommen. Wenn dies gelinge, sollten die alten Gebäude auf dem Čerchov abgerissen werden, jedoch nicht der Aussichtsturm und der Militärturm. Mach informierte aber, dass die Stadt Domažzlice bereits Eigentümer der Gebäude der ehemaligen Kaserne am Malinová Hora/Beerenfels ist. Es sei daran gedacht, dass die Bürger künftig von Capartice bis zum Malinová Hora fahren können. Dort sollen nach den Informationen von Mach Unterkünfte für zwei bis drei Waldarbeiter entstehen, die dann dort auch übernachten werden. Zum einen gebe es in diesem Bereich viel Arbeit für die Waldarbeiter, zum anderen solle die Anwesenheit der Waldarbeiter auch vor Vandalismus schützen, der im Nachbarland ebenfalls immer mehr um sich greift. So wurden beispielsweise aus den Gebäuden am Čerchov sowie am Malinová Hora schon der Großteil der Heizkörper gestohlen. Es sei daran gedacht, am Malinová Hora einen Ausgangspunkt für die Touristen zu schaffen und zwar im Sommer für die Radfahrer und im Winter für die Skilangläufer.
Ein Vertreter der Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes bestätigte, dass seine Behörde Neubauten auf dem Čerchov nicht genehmigen werde. Dies liege daran, dass man sich eben an die gesetzlichen Vorschriften, die dieses Gebiet betreffen, halten müsse. „Da können wir nicht viel tun“, so seine Erklärung. Es seien auch bereits Gespräche mit den Städtischen Wäldern von Domažlice geführt worden. Die Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes sei bereit, der Stadt Domažlice in höchstem Maße entgegen zu kommen, versicherte er. Bürgermeister Mach ergänzte später, dass sich die Stadt Domažlice mit dem Naturschutz inzwischen einig sei, wie die Projektidee am Čerchov und Malinová Hora weiter vorangebracht werden soll.
Eines ist jedoch klar: Der Abbruch der alten Gebäude wird eine kostspielige Angelegenheit. Nahezu alle Gebäude sind mit asbesthaltigen Eternitplatten versehen und nachdem mittlerweile auch im Nachbarland auf deren fachgerechte Entsorgung großer Wert gelegt wird, muss erst einmal abgewartet werden, ob dazu die Stadt Domažlice die entsprechenden finanziellen Mittel aufbringen kann. Der Abbruch der Gebäude würde auch bedeuten, dass das Bistro am Čerchov verschwindet. Čerchov-Kenner sind sich aber einig, dass es sicherlich noch eine Weile dauern wird, bis sich dort tatsächlich etwas tut.
Der Bericht mit Bildern aus der "Chamer Zeitung" vom 25. Oktober 2012 als Download unten.
93449 Waldmünchen, Lengau 16
Telefon: 09972/3174
Mobil: 0170/2150475
E-Mail: k.reitmeier@t-online.de